Gymnasium Wolfgarten: Gedenken an Opfer der Novemberpogrome
EISENSTADT – Bei der jährlichen Gedenkfeier erinnerte die Schulgemeinschaft des Gymnasiums Wolfgarten an die Novemberpogrome und an jene jüdischen Menschen, die aus Eisenstadt und der Region vertrieben wurden und Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung waren.

Biografien statt abstrakter Geschichtszahlen
In den vergangenen Wochen hatten sich Schülerinnen und Schüler aller Klassen gemeinsam mit ihren Lehrpersonen intensiv mit den Lebensgeschichten vertriebener Jüdinnen und Juden auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Biografien von Otti Wolf, Sándor Wolf, Gertrude Hoffer, Josef Steinhart, Lore Walter, Kurt Simon, Oskar Schiller und Hilde Schlesinger-Schilf. Jede Klasse stellte im Rahmen der Gedenkfeier ein persönliches Schicksal vor.
„Aus abstrakten Geschichtszahlen sind für uns dadurch Gesichter, Namen und Lebensgeschichten geworden. Wir haben von ihren Träumen gelesen, von ihrer plötzlichen Angst und von dem Schmerz, alles zu verlieren, was ihnen Heimat bedeutete“, erklärte Direktorin Ulrike Klein-Schweifer. Die Biografien machten deutlich, dass die Opfer Nachbarn, Freunde, Kolleginnen und Kollegen sowie Mitschülerinnen und Mitschüler waren. „Das Versprechen ‚Nie wieder‘ darf keine leere Floskel sein. Es ist ein aktiver Auftrag an uns alle, jeden Tag für Demokratie, Toleranz und die Würde jedes einzelnen Menschen einzustehen“, betonte die Direktorin.
Sprechstück der 8. Klassen
Die Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen setzten sich darüber hinaus mit historischen Texten und wissenschaftlichen Untersuchungen auseinander. Ausgehend von diesen Materialien gestalteten sie ein Sprechstück, das die schwierige Lebenssituation der jüdischen Bevölkerung während der NS-Zeit thematisierte und mit verbreiteten Irrtümern und Vorurteilen aufräumte.
Bischof Zsifkovics: „Ein lebendiges Gedenken“
Bischof Ägidius J. Zsifkovics, der in der Österreichischen Bischofskonferenz als Referatsbischof für Ökumene und den jüdischen Dialog zuständig ist, würdigte das Engagement der Jugendlichen und die Bedeutung ihrer Auseinandersetzung mit der Geschichte: „Indem ihr heute einzelne Menschen und ihre Schicksale in den Mittelpunkt gestellt habt, ist ein lebendiges Gedenken entstanden. Dafür möchte ich euch aufrichtig danken.“ Die Schule und ihre Geschichte hätten eine besondere Verpflichtung, die Erinnerung wachzuhalten. Dies sei aber nicht nur Aufgabe der Kirche, sondern ebenso des Landes, der Politik, der Bildung, der Kultur und der Kunst. „Wir dürfen nicht vergessen, was sich hier bei uns, im kleinen Eisenstadt und im kleinen Burgenland, ereignet hat: dass die Geschichte eines Volkes und einer Religion ausgelöscht werden sollte“, betonte der Bischof.
Gebete und Musik zum Abschluss
Zum Abschluss der Gedenkfeier standen Gebete aus der christlichen und jüdischen Tradition. Bischof Ägidius verwies dabei auf die Bedeutung des Gebets als Zeichen des Gedenkens und der Erinnerung. Mit dem Friedensgebet des heiligen Franz von Assisi und einem Gebet aus der jüdischen Tradition für die in der Schoah ermordeten Menschen wurde die Feier abgeschlossen. Musikalisch gestaltet wurde die Gedenkstunde vom Ensemble der Joseph Haydn Privathochschule.
Schulgemeinschaft des Gymnasiums Wolfgarten mit Bischof Ägidius J. Zsifkovics bei der Gedenkfeier. (Bildquelle: Diözese Eisenstadt/Rothleitner-Reinisch)
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Quelle: Diözese Eisenstadt
Bildquelle: Diözese Eisenstadt/Rothleitner-Reinisch
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