Klinik Oberwart: Neue ME/CFS-Ambulanz startet im Oktober 2026

Andreas Leitner, Veronika Matzi und Engelbert Jeindl bei der Präsentation der neuen ME/CFS-Ambulanz an der Klinik Oberwart
Geschäftsführer Andreas Leitner (Reduce Gesundheitsresort) mit Dr.in Veronika Matzi (Ärztliche Direktorin der Klinik Oberwart) und Dr. Engelbert Jeindl (v.l.).

OBERWART – Menschen mit ME/CFS erhalten im Burgenland künftig eine eigene Anlaufstelle: Ab Oktober 2026 entsteht in der Klinik Oberwart eine spezialisierte ME/CFS-Ambulanz. Parallel dazu startet im Reduce Gesundheitsresort Bad Tatzmannsdorf ein mehrwöchiges stationäres Therapieprogramm für Betroffene. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Doskozil: „Verlässliche Versorgung sicherstellen“

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Gesundheitsreferent der Burgenländischen Landesregierung, kündigte die neuen Strukturen an: „ME/CFS ist längst keine Randerscheinung mehr, sondern eine ernstzunehmende gesundheitspolitische Herausforderung. Betroffene brauchen eine verlässliche Versorgung, die ihre Erkrankung ernst nimmt und ihren besonderen Bedürfnissen gerecht wird. Wie versprochen, haben wir die dafür notwendigen Strukturen geschaffen, um diese Versorgung dauerhaft sicherzustellen“, betont Doskozil.

Die neue Ambulanz nimmt Anfang Oktober unter der Leitung von Dr. Engelbert Jeindl ihre Arbeit auf. Weitere Details präsentieren Doskozil und seine Stellvertreterin Anja Haider-Wallner im Rahmen der Regierungsklausur am 5. und 6. Oktober.

Kooperation mit dem Reduce Gesundheitsresort

Parallel zur Ambulanz entsteht im Reduce Gesundheitsresort Bad Tatzmannsdorf ein eigenes stationäres Therapieprogramm. Eine erste interne Testgruppe hat das Angebot bereits erfolgreich durchlaufen, wie Geschäftsführer Andreas Leitner berichtet: „Wir konnten im Rahmen unseres Long/Post Covid Regenerations-Programmes sehr gute Erfahrungen sammeln. Für ME/CFS-Betroffene haben wir nun ein eigens auf ihre Symptomatiken und Bedürfnisse zugeschnittenes spezialisiertes Therapieangebot in Kooperation mit der Klinik Oberwart entwickelt. Der Durchlauf mit einer ersten internen Testgruppe brachte zahlreiche positive Rückmeldungen.“

Die ärztliche Direktorin der Klinik Oberwart, Dr. Veronika Matzi, beschreibt den therapeutischen Ansatz: „Wir verfolgen einen neuen Ansatz, bei dem die orthomolekulare Substitutionstherapie in Kombination mit einer individualisierten Bewegungstherapie eine wesentliche Rolle spielen. Die Erfahrungen damit sind sehr vielversprechend.“

So läuft die Anmeldung

Ab Oktober ist die ME/CFS-Ambulanz in der Klinik Oberwart einmal wöchentlich geöffnet, jeden Dienstag von 14 bis 18 Uhr, nach telefonischer Anmeldung. Termine können ab sofort vereinbart werden – unter der Telefonnummer 05 7979 37170 oder per Mail an kontakt.mecfs@gesundheit-burgenland.at.

Ob ein Therapieprogramm in Bad Tatzmannsdorf infrage kommt, entscheiden die behandelnden Ärzte im Einzelfall. Eine Voraussetzung ist etwa die selbstständige Fortbewegung. Ein Therapiezyklus dauert sechs Wochen. Im Mittelpunkt steht ein multiprofessioneller, ganzheitlicher Zugang: Ein Team aus Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten kümmert sich um die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen. Der Therapieplan umfasst unter anderem orthomolekulare Substitutionstherapien inklusive Antioxidantien, Gesprächstherapie, Physiotherapie sowie Kälteanwendungen. „Ganz besonders wichtig ist die Einbindung und Aufklärung der Angehörigen“, so Matzi. Diese sollen künftig ebenfalls in das Therapieprogramm eingebunden werden.

Rund 80.000 Betroffene in Österreich

Laut Schätzungen leiden in Österreich rund 80.000 Menschen an ME/CFS – Myalgische Enzephalomyelitis und Chronisches Fatigue-Syndrom. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Beschrieben wurde die Erkrankung bereits vor mehreren Jahrzehnten, seit dem Ausbruch von Covid-19 rückte sie jedoch stärker in den gesellschaftlichen Fokus. Ausgelöst wird ME/CFS unter anderem durch schwere Viruserkrankungen, nicht ausschließlich durch das Coronavirus.

Die Diagnose erfolgt klinisch, anhand der typischen Symptomkonstellation und nach Ausschluss anderer Erkrankungen – einen einzelnen Laborwert oder Biomarker, der die Erkrankung sicher nachweist, gibt es bislang nicht. Die Symptome reichen von ausgeprägter, anhaltender Erschöpfung über eingeschränkte körperliche und geistige Belastbarkeit sowie Muskelschmerzen und Schwindel bis hin zu Atemnot. Nicht wenige Betroffene ziehen sich in der Folge vollständig aus dem sozialen Leben zurück.

„Wir wollen diese Menschen langsam wieder ins normale Leben zurückführen, das ist unser Auftrag. Die neue Ambulanz und das stationäre Therapieangebot sind wesentliche erste Schritte dazu“, so Matzi abschließend.

Bildquelle: Gesundheit Burgenland

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