Reform des Wehrdienstes: Brigadier Gasser fordert rasche Entscheidungen

Der Militärkommandant des Burgenlandes, Brigadier Mag. Gernot Gasser, spricht sich im Zuge der aktuellen Debatte über die Zukunft des Österreichischen Bundesheeres für eine Reform des Wehrdienstes aus. Brigadier Mag. Gernot Gasser fordert ein klares Bekenntnis zur Einsatzbereitschaft und spricht sich für acht Monate Grundwehrdienst sowie zwei Monate verpflichtende Milizübungen aus.

Sicherheitspolitische Lage im Fokus

Gasser verweist auf die veränderte sicherheitspolitische Situation in Europa. Er betont, dass sich hybride Bedrohungen wie Desinformation, Cyberangriffe, Sabotage, Spionage, Drohnenangriffe oder die Zerstörung von Unterseekabeln zunehmend ausbreiten.

Gleichzeitig hebt er hervor, dass unter Verteidigungsministerin Mag. Klaudia Tanner das Verteidigungsbudget des Österreichischen Bundesheeres verdoppelt wurde und auf Grundlage des Aufbauplans ÖBH 2032+ in Waffen, Ausrüstung und Infrastruktur investiert wird. Nun müsse jedoch der nächste Schritt folgen.

„Während in Europa seit 4 Jahren der Krieg tobt, befindet sich unser Wehrsystem noch immer im tiefsten Frieden!“

Forderung nach längerer Grundausbildung

Nach Ansicht des Militärkommandanten reicht ein sechsmonatiger Grundwehrdienst nicht mehr aus, um Soldaten ausreichend auf mögliche Einsätze vorzubereiten. Neben der individuellen Ausbildung gehe es vor allem um das Zusammenspiel innerhalb der Truppe und um eine hohe Einsatzbereitschaft.

Brigadier Gasser erklärt:

„Dauer und Qualität der Ausbildung bestimmen im Ernstfall direkt die Überlebenschance unserer Soldaten im Einsatz. Die modernen Waffensysteme werden immer komplexer und deren Wirkung immer verheerender, als dass man sie in nur sechs Monaten vollends beherrschen könnte. Da wir im Ernstfall gut ausgebildeten Spezialkräften und Terrortrupps gegenüberstehen werden, sind wir es den jungen Rekruten schuldig, ihnen eine faire Überlebenschance zu sichern.“

Aus diesem Grund fordert er eine Verlängerung des Grundwehrdienstes auf acht Monate.

Verpflichtende Milizübungen als weiterer Baustein

Neben einer längeren Grundausbildung spricht sich Gasser auch für zwei Monate verpflichtende Milizübungen aus. Die regelmäßigen Übungen sollen den Wissensstand der Soldaten erhalten und aktuelle militärische Entwicklungen berücksichtigen.

Die Verpflichtung zu Milizübungen wurde bereits 2006 ausgesetzt. Als Folgen werden genannt:

  • Milizverbände können nicht gemeinsam üben.
  • Es kommt zu einem erheblichen Know how Verlust nach dem Grundwehrdienst.
  • Im Einsatzfall dauert es laut Militärkommando rund zwei Monate, bis die Miliz wieder einsatzfähig ist.

Verweis auf Empfehlungen der Wehrdienst-Kommission

Gasser erinnert daran, dass die von der Bundesregierung eingesetzte Wehrdienst-Kommission bereits im Jänner 2026 empfohlen habe, den Grundwehrdienst auf acht Monate zu verlängern und zusätzlich zwei Monate verpflichtende Milizübungen einzuführen.

Seiner Ansicht nach sei seitdem ohne politische Entscheidung wertvolle Zeit verstrichen. Er fordert daher eine rasche Umsetzung der Expertenempfehlungen.

Sicherheit über Parteipolitik stellen

In seiner Stellungnahme appelliert der Militärkommandant außerdem, sicherheitspolitische Entscheidungen nicht von parteipolitischen Überlegungen abhängig zu machen.

Dazu zieht Brigadier Gasser folgenden Vergleich:

„Würde man die Bevölkerung fragen, ob sie Steuern zahlen möchte, wäre die Antwort ebenso klar, wie wenn man junge Burschen fragt ob sie länger Grundwehrdienst leisten möchten!“

Die zentralen Forderungen

Brigadier Gasser fasst seine Forderungen in drei Punkten zusammen:

  • Rasche, sachorientierte und bedrohungsadäquate Entscheidungen ohne parteipolitische Auseinandersetzungen.
  • Acht Monate Grundwehrdienst, um ein höheres Ausbildungsniveau und eine bedrohungsadäquate Ausbildung sicherzustellen.
  • Zwei Monate verpflichtende Milizübungen, um Know how zu erhalten, gemeinsame Übungen zu ermöglichen, die Einsatzbereitschaft zu sichern und das Milizsystem zu stärken.

Abschließend betont der Militärkommandant die Bedeutung einer Reform des Wehrdienstes mit den Worten:

„Freiheit, Sicherheit und Schutz sind NICHT selbstverständlich – sie verlangen Verantwortung und Taten!“

Bildquelle:

© Österreichisches Bundesheer Militärkommando Burgenland

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B24

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