Erste Herzchirurgie des Landes – Historischer Schritt für die Gesundheitsversorgung im Burgenland

OBERWART – Das Burgenland steht vor einem Meilenstein in der medizinischen Versorgung: In der Klinik Oberwart soll erstmals eine eigene Abteilung für Herzchirurgie entstehen. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil präsentierte am Mittwoch gemeinsam mit medizinischen Verantwortlichen die konkreten Pläne. Ausgangspunkt ist die anhaltende Problematik rund um sogenannte Gastpatienten sowie fehlende eigene Kapazitäten im Bundesland.

Klare Worte zur aktuellen Situation

Landeshauptmann Doskozil fand dabei deutliche Worte: „Es ist nicht tragbar, dass Patientinnen und Patienten aufgrund ihres Meldezettels abgewiesen werden“. Angesichts dieser Situation sei der Aufbau einer eigenständigen Herzchirurgie im Burgenland unumgänglich.

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil bei der Pressekonferenz.
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil bei der Pressekonferenz.

Bislang erfolgt die Versorgung ausschließlich über Zentren in Wien und Graz. Die jüngsten Entwicklungen hätten jedoch gezeigt, dass das Burgenland stärker auf eigene Strukturen setzen müsse. „Dieser Schritt ist mehr als überfällig. Denn derzeit erfolgt die herzchirurgische Versorgung der Burgenländerinnen und Burgenländer ausschließlich über die Zentren in Wien und Graz. Die letzten Wochen und Monate haben, Stichwort Gastpatientenregelung, gezeigt: Wir können uns nur auf uns selbst verlassen, daher handeln wir. Das burgenländische Stabilitätspaket für die kommenden Jahre sorgt dafür, dass Investitionen im Gesundheitsbereich weiter möglich sind. Unser Ziel bleibt die bestmögliche Versorgung für die Bevölkerung im Burgenland.“

Start der Herzchirurgie bereits 2026

Die Burgenländische Landesregierung hat die Einrichtung der neuen Abteilung bereits einstimmig beschlossen. Der Start ist für März 2026 geplant. Bereits im ersten Quartal sollen die ersten herzchirurgischen Eingriffe durchgeführt werden.

Mit dem Aufbau wurde OA Dr. Wolfgang Dietl betraut, der seit November als provisorischer Leiter fungiert. Gemeinsam mit Primar Dr. Andreas Ochsenhofer stellte er die Details im Rahmen einer Pressekonferenz vor.

Notwendigkeit durch steigenden Bedarf

Die Gründe für die neue Abteilung sind vielfältig: demographische Entwicklungen, steigender Bedarf sowie ein bestehendes strukturelles Versorgungsdefizit. Besonders bei akuten Herzleiden sei rasches Handeln entscheidend.

Doskozil betont: „Mit der Herzchirurgie in Oberwart soll eine Struktur aufgebaut werden, die es erlaubt, auch akute chirurgische Fälle zu behandeln, wenn diese aufgrund ihrer Lebensbedrohlichkeit sofortige Intervention benötigen. Wenn es um Herzleiden geht, sind Abweisungen und lange Wartezeiten besonders gefährlich. Hier ist es umso wichtiger, im eigenen Bundesland eine hochwertige Abteilung zu realisieren.“

Lange Wartezeiten als Risiko

Primar Dr. Andreas Ochsenhofer unterstreicht die Dringlichkeit zusätzlich: „Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache. Aktuelle Wartezeiten in der Herzchirurgie in Wien und Graz liegen derzeit bei bis zu 9 Monaten. Zeitspannen, die viele Patienten nicht mehr haben oder deren Leiden sich in dieser Zeit, teils dramatisch, verschlechtern kann und wird. Bereits jetzt gibt es ein strukturelles Versorgungsdefizit der burgenländischen Bevölkerung, da es hier keine eigene herzchirurgische Abteilung gibt. Das Burgenland weist im österreichweiten Vergleich eine überdurchschnittlich hohe Inzidenz und Mortalität bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Es ist Handlungsbedarf gegeben.“

Aufbau eines Herz-Zentrums Oberwart

Langfristig verfolgt das Land ein klares Ziel: die Etablierung eines Herz-Zentrums in Oberwart. Die bestehenden Strukturen der Klinik bieten bereits eine solide Basis in den Bereichen Kardiologie, Intensivmedizin und Diagnostik. Mit zusätzlicher Ausstattung, etwa Herz Lungen Maschine und ECMO – soll der Vollbetrieb ermöglicht werden.

Parallel dazu wird auch das sogenannte TAVI-Programm unterstützt, wodurch kathetergestützte Aortenklappenimplantationen künftig direkt vor Ort durchgeführt werden können. Im Zentrum steht dabei die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche im sogenannten Heart Team.

Große Chance für die Region

Für den designierten Leiter Dr. Wolfgang Dietl ist das Projekt eine besondere Aufgabe: „Die Möglichkeit, die herzchirurgische Versorgung im Südburgenland von Grund auf mitzugestalten, ist eine einzigartige berufliche Chance. Mit der neuen Herzchirurgie in Oberwart schaffen wir nicht nur ein wohnortnahes Angebot für Patientinnen und Patienten, sondern verkürzen auch die Wartezeiten für burgenländische Herzpatienten deutlich.“

Mit der neuen Abteilung setzt das Burgenland einen entscheidenden Schritt in Richtung eigenständiger und flächendeckender Gesundheitsversorgung, ein Projekt mit weitreichender Bedeutung für die gesamte Region.

Bildquelle:

© Landesmedienservice Burgenland/Stefan Wiesinger

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B24

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