SOS-Kinderdorf: Neues Tagesangebot in Eisenstadt stärkt Kinder und Familien

EISENSTADT – Mit der Eröffnung des neuen Tagesangebots von SOS-Kinderdorf in der Gölbeszeile in Eisenstadt wird die teilstationäre Kinder- und Jugendhilfe im Burgenland weiter ausgebaut. Das Land Burgenland hat die Initiative für diesen Ausbau gesetzt, SOS-Kinderdorf übernimmt die Umsetzung. Ziel ist es, Krisen rechtzeitig abzufangen, familiäre Bindungen zu stärken und stationäre Unterbringungen möglichst zu vermeiden, solange das Kindeswohl gesichert ist.

Schneemann: „Unterstützung statt erhobener Zeigefinger“

„Kinder brauchen Sicherheit, verlässliche Bezugspersonen und Menschen, die ihnen zuhören. Wenn Familien im Alltag an ihre Grenzen stoßen, braucht es rechtzeitig Unterstützung statt erhobener Zeigefinger. Mit diesem Tagesangebot schaffen wir eine Anlaufstelle, die Kinder gezielt fördert und gleichzeitig ihren Eltern den Rücken stärkt“, erklärte Soziallandesrat Leonhard Schneemann bei der Eröffnung.

Individuelle Unterstützung im vertrauten Umfeld

Das Tagesangebot bietet Kindern und Jugendlichen einen verlässlichen Rahmen für ihre persönliche Entwicklung. Dazu zählen die Unterstützung bei den Hausaufgaben, die Förderung sozialer Kompetenzen, Hilfe im Umgang mit Konflikten sowie die Stärkung des Selbstvertrauens. Gleichzeitig werden Eltern begleitet, ihre Erziehungskompetenzen gestärkt und gemeinsame Alltagsstrukturen entwickelt. Die teilstationäre Betreuung ergänzt die mobile Familienarbeit und setzt dort an, wo punktuelle Unterstützung zu Hause nicht mehr ausreicht.

„Unser Grundsatz lautet: Mobil vor stationär. Wir wollen Familien so früh wie möglich erreichen und ihnen jene Unterstützung anbieten, die sie tatsächlich brauchen. Nicht jede Krise muss in einer Trennung von Eltern und Kindern münden. Entscheidend sind passgenaue Hilfen, verlässliche Beziehungen und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten“, so Schneemann.

Ein Anker als Symbol

„Die Welt der Familien ist wie ein Meer. Mal ruhig, mal aufgewühlt, mal einladend schön, mal unwirtlich stürmisch. Da braucht es Halt, einen sicheren Hafen, einen verlässlichen Anker“, wissen SOS-Kinderdorf-Standortleiter Marek Zeliska und die Pädagogische Leiterin Bernadette Kalcher. „Ich habe heute etwas mitgebracht: einen Anker. Er symbolisiert die Arbeit im Handlungsfeld Familie. Er steht für Sicherheit und Stabilität in stürmischen Zeiten, für Bindung und Halt, für die Verbindung zu den Kindern, Familien, unseren Auftraggeberinnen und Vernetzungspartnern. Er steht für Hoffnung, schwierige Lebenssituationen gemeinsam bewältigen zu können“, so Kalcher.

Bewährt hat sich das Modell des teilstationären Tagesangebots von SOS-Kinderdorf bereits seit vielen Jahren in Oberwart. „Was uns am Herzen liegt, ist die Präventionsarbeit“, betont Marek Zeliska. „Dafür braucht es individuelle Unterstützung, die auf die Bedürfnisse der jeweiligen Familie abgestimmt ist. In diesen Betreuungssettings kann genau das gewährleistet werden. Danke an alle unsere Partner*innen, die uns in dieser Arbeit unterstützen und all das möglich machen.“

Steigender Unterstützungsbedarf

Die Zahl der Gefährdungsabklärungen in der Kinder- und Jugendhilfe im Burgenland stieg von 884 im Jahr 2020 auf 1.958 im Jahr 2025. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Kinder in Einrichtungen von 243 auf 362. Zu den Herausforderungen zählen unter anderem psychische Belastungen, familiäre Krisen, Gewalterfahrungen, Vernachlässigung und Suchtproblematiken. Auch Schulverweigerung und Suspendierungen erfordern eine enge Zusammenarbeit mit Familien, Schulen und dem Gesundheitsbereich – ein Bereich, in dem das Land etwa mit dem neuen Standort für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Neusiedl am See ebenfalls ausgebaut hat.

SOS-Kinderdorf als langjähriger Partner

SOS-Kinderdorf ist seit 1960 im Burgenland tätig und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der stationären Betreuung sowie in der mobilen und ambulanten Familienarbeit. B24 berichtete bereits über eine Charity-Ausfahrt ins Kinderdorf Pöttsching. Schneemann dankte Marek Zeliska, Bernadette Kalcher und dem gesamten Team sowie den Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe und den Kooperationspartnern: „Wirksame Kinder- und Jugendhilfe lebt vor allem von den Menschen, die Kinder und Familien begleiten. Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein verantwortungsvoller Schritt. Jedes Kind verdient die Chance auf eine gute Zukunft – und wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen.“

Quelle: Landesmedienservice Burgenland

Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland / Dorothea Müllner-Frühwirth

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